Der Eichelhäher schrie.
Lucas hielt auf der kleinen Leiter inne und hob den Kopf. Ein zweiter Ruf kam von weiter unten am Hang. Kurz darauf flog der Vogel zwischen den dicht stehenden Fichten hindurch. Nur für einen Augenblick sah Lucas die hellen Abzeichen an seinen Flügeln.
Dann hatte der Wald ihn wieder verschluckt.
Lucas lauschte.
Die Eichelhäher entgingen kaum etwas. Max nannte sie die Wächter des Waldes. Kam ein Mensch zwischen den Bäumen den Hang herauf, wussten die Vögel meist lange vor ihnen davon.
„Weiter.“
Lucas blickte nach unten.
Sein Großvater stand am Fuß des Meilers und sah zu ihm herauf.
„Ich höre.“
„Dann hör beim Arbeiten.“
Lucas verzog den Mund und stieg die letzten Sprossen hinauf.
Die Leiter hatte Max aus zwei schmalen Fichtenstangen gebaut. Dazwischen saßen kurze, grob behauene Hölzer. Sie gab unter Lucas' Gewicht ein wenig nach.
„Das Ding bricht irgendwann.“
Max sah die Leiter an.
„Nein.“
Das war alles.
Sein Großvater Max war schon so gewesen, als Lucas noch ein kleiner Junge war. Wenige Worte. Keine langen Erklärungen. Wenn Max etwas sagte, hatte es einen Grund.
Lucas hatte früh gelernt, darauf zu hören.
Meistens jedenfalls.
Oben auf dem Meiler schlug ihm die Wärme entgegen.
Lucas richtete sich vorsichtig auf. Unter seinen Stiefeln arbeitete der Meiler. Er spürte es.
Tief in seinem Inneren glomm das Holz. Stamm an Stamm, Schicht um Schicht. Verborgen unter Fichtenreisig, Erde und schwarzem Kohlenstaub.