Lucas · Kapitel 7 Zur Bibliothek
Förster Fritz mit Hasso
Kapitel 7

Lucas

Ein neuer Morgen
Lucas · Ein neuer Morgen

Der erste Schimmer des Tages lag noch über den Wiesen, als Bauer Friedrich bereits auf den Beinen war.

Auf seinem Hof herrschte eine angenehme Morgenruhe. Aus dem Stall waren die ersten Laute der Kühe zu hören, Hühner liefen gackernd über den Hof, und irgendwo krähte ein Hahn den neuen Tag herbei.

Der Braune wartete geduldig vor dem kleinen Holzkarren.

Friedrich legte ihm das Geschirr an, prüfte die Riemen und strich ihm kurz über den Hals.

„Heute haben wir beide wieder einiges vor.“

Auf den Karren stellte er ein Fass mit frischem Wasser. Daneben legte er einen frisch gebackenen Laib Bauernbrot und ein Stück geräucherten Speck.

Seine Frau trat aus dem Haus und reichte ihm noch ein sauber zusammengefaltetes Leinentuch.

„Vergiss das nicht.“

Friedrich lächelte.

„Das hätte ich beinahe liegen lassen.“

Er wusste, dass auf dem Hof noch viel Arbeit wartete. Deshalb musste er früh aufbrechen.

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Lucas · Ein neuer Morgen

Der Braune zog den Holzkarren gleichmäßig über den Waldweg.

Friedrich fuhr nur so schnell, wie es nötig war.

Er kannte jede Biegung, jeden Felsen und beinahe jeden alten Baum an diesem Weg. Trotzdem genoss er die Fahrt jedes Mal aufs Neue.

Die Morgensonne fiel in schmalen Streifen zwischen die hohen Fichten. Ein Rotkehlchen sang, und weiter oben meldete sich ein Eichelhäher.

Friedrich ließ den Blick durch den Wald schweifen.

„Schöner kann ein Tag kaum beginnen.“

Wenig später stieg der erste Rauchfaden des Meilers zwischen den Bäumen auf.

Vor der Holzhütte saßen Max und Lucas am Tisch. Sie aßen Brot mit Speck und tranken Wasser.

Dann hörten sie die Hufe des Pferdes und das vertraute Knarren des Holzkarrens.

Max hob den Kopf.

„Friedrich.“

Lucas lächelte.

„Ich weiß.“

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Lucas · Ein neuer Morgen

Als Friedrich vor der Hütte anhielt, standen Max und Lucas bereits auf.

Es war immer ein schöner Moment, wenn die drei Männer sich sahen.

Sie begrüßten sich mit festen Händedrücken und klopften einander freundschaftlich auf die Schulter.

Viele Worte waren nicht nötig.

Friedrich sah zum Kohlenmeiler hinüber.

Ein gleichmäßiger Rauchfaden stieg ruhig in den hellen Morgenhimmel.

„Der sieht aber gut aus“, sagte er.

Er trat einige Schritte näher.

„Wenn das Wetter hält, gibt das eine ganz besondere Holzkohle.“

Lucas nickte stolz.

„Ja, genau.“

Max legte die Hand auf die warme Erddecke.

„Er arbeitet so, wie er arbeiten soll.“

In diesem Augenblick kam ein Mann in grüner Kleidung um die Wegbiegung. Neben ihm lief ein kräftiger Jagdhund.

Der Mann hob die Hand und winkte.

„Guten Morgen miteinander!“

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Lucas · Ein neuer Morgen

„Förster Fritz“, sagte Friedrich und ging ihm entgegen.

Der Jagdhund setzte sich ruhig neben seinen Herrn.

„Und das ist Hasso“, sagte Lucas.

Fritz reichte den drei Männern die Hand.

Nachdem sie einige Worte gewechselt hatten, kam er ohne Umwege auf sein Anliegen zu sprechen.

„Im Dorf soll die neue Zehntscheuer gebaut werden.“

Friedrich nickte.

„Im Augenblick muss geklärt werden, wer das Holz für den Dachstuhl liefert“, fuhr Fritz fort.

Er sah Friedrich an.

„Kannst du einen Teil aus deinem Privatwald dazugeben?“

Friedrich dachte nach. Er kannte seinen Wald genau.

„Ein paar Fichtenstämme kann ich abgeben.“

Er hob jedoch die Hand.

„Aber zuerst muss jemand den gesamten Bedarf ausrechnen. Erst dann kann ich sagen, wie viel Holz ich wirklich liefern kann.“

Förster Fritz nickte zustimmend.

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Lucas · Ein neuer Morgen

„Ich bin heute Nachmittag im Dorf“, sagte Fritz. „Ich werde deine Antwort weitergeben.“

„In den nächsten Wochen werden sie dort wissen, wie viele Stämme, Balken und Sparren sie tatsächlich brauchen.“

Er wandte sich an Max.

„Der Zimmerer hat ebenfalls nach dir gefragt.“

Max hob leicht den Kopf.

„Nach mir?“

„Bei einem so großen Dach zählt die Erfahrung. Er möchte wissen, ob du ihn unterstützen könntest.“

Für einen Augenblick wurde es still.

Max blickte zum Meiler.

„Solange der hier arbeitet, verlasse ich ihn nicht.“

Fritz nickte.

„Das habe ich mir gedacht.“

„Wenn der Meiler fertig ist und meine Hilfe dann noch gebraucht wird, können wir weiterreden“, sagte Max.

„Mehr verspreche ich heute nicht.“

Fritz streckte ihm die Hand hin.

„Das ist eine ehrliche Antwort.“

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Lucas · Ein neuer Morgen

Förster Fritz berichtete noch, dass die Flößer bereits einige Fichtenstämme am Sägewerk abgeliefert hatten.

Den Rest mussten sie weiter flussabwärts transportieren.

„Sie sind immer noch zu dritt“, sagte er.

Lucas dachte sofort an den verletzten Mann.

„Wissen sie inzwischen, wie es ihrem Kameraden geht?“

Fritz schüttelte den Kopf.

„Nein. Sie mussten weiterarbeiten und haben noch keine Nachricht vom Doktor erhalten.“

Die Männer schwiegen einen Moment.

Hasso hob den Kopf und lauschte in den Wald.

Schließlich verabschiedete sich der Förster.

„Ich richte im Dorf alles aus.“

Er pfiff leise.

„Komm, Hasso.“

Förster und Hund gingen den Waldweg in Richtung Dorf hinunter und verschwanden bald zwischen den hohen Fichten.

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Lucas · Ein neuer Morgen

Max, Friedrich und Lucas prüften anschließend gemeinsam den Meiler.

Mit geschultem Blick betrachteten sie den Rauch, die Erddecke und die Zuglöcher.

Max legte an mehreren Stellen die Hand auf die warme Oberfläche. Lucas kontrollierte die Öffnungen.

Friedrich nickte zufrieden.

„Der Zustand ist ausgezeichnet.“

Danach gingen sie zum Holzkarren zurück.

Gemeinsam luden sie das Wasserfass, das Brot und den Speck ab.

Zum Schluss nahm Friedrich das saubere Leinentuch vom Karren und reichte es Lucas.

Er musste lächeln.

„Falls deine Mutter wieder vorbeikommt.“

Lucas lachte.

„Dann hat sie diesmal weniger zu beanstanden.“

Auch Max schmunzelte leicht.

Friedrich stieg auf den Karren.

„Jetzt muss ich mich aber beeilen. Auf meinem Bauernhof wartet heute noch viel Arbeit.“

Er verabschiedete sich und gab dem Braunen ein Zeichen.

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Lucas · Ein neuer Morgen

Das Pferd setzte sich in Bewegung.

Max und Lucas sahen dem Holzkarren nach, bis das Knarren der Räder zwischen den Bäumen verklungen war.

Dann waren sie wieder allein.

Doch das war für die beiden kein Problem.

Sie kannten ihren Alltag.

Sie kannten ihre Arbeit.

Und sie wussten, was zu tun war.

Max nahm den langen Prüfstab in die Hand.

„Komm.“

Lucas nickte.

„Einverstanden.“

Gemeinsam gingen sie zum Kohlenmeiler.

Sie redeten nicht lange herum.

Jeder Blick, jede Berührung der warmen Erddecke und jedes Zugloch gehörten zu ihrer täglichen Arbeit.

Der Wind rauschte durch die Fichten.

Ein Eichelhäher rief in der Ferne.

Und der Meiler arbeitete unermüdlich weiter.

8

Ende des siebten Kapitels

Ein neuer Morgen

Der Wald, das Handwerk und die Freundschaft geben den Männern Halt …