Historisches
Der Nordschwarzwald blickt auf eine reiche Geschichte
zurück. Von den frühen Siedlungen über die
Klostergründungen bis zur Industrialisierung – diese
Region hat vieles erlebt. Die Stadt Calw, bekannt als
Geburtsort Hermann Hesses, entwickelte sich ab dem
Mittelalter als wichtiger Handelspunkt. Bad Teinach
hingegen profitierte von seinen Thermalquellen und wurde
zu einem beliebten Kurort. Beide Orte prägen bis heute
das Gesicht des Nordschwarzwalds mit ihrer Architektur,
ihrer Kultur und ihrer ganz eigenen Ausstrahlung.
Bad Teinach
Zum ersten Mal wird die Siedlung Teinach im Jahr 1472
urkundlich erwähnt. Sie gehörte zum württembergischen
Amt Zavelstein. Im Jahr 1710 ließ Herzog Eberhard Ludwig
von Württemberg ein Palais als Sommerresidenz errichten.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde Teinach zum
Lieblingsbad württembergischer Herzöge. Im Jahr 1770
besuchte Herzog Carl Eugen mit 326 Personen die
Heilquellen. Die Heilquelle im Teinachtal war schon im
Spätmittelalter bekannt. Sie soll der Sage nach durch
einen Hirsch entdeckt worden sein und heißt deshalb
Hirschquelle. Schon im 17. Jahrhundert gab es
regelrechten Kurbetrieb. Im Jahr 1835 wurde Teinach
königliches Bad. In den folgenden Jahren ließ König
Wilhelm I. von Württemberg nach Plänen Friedrich von
Thourets Badehaus, Trinkhalle und das Badhotel
errichten; 1864 kaufte Carl Hoffmann das Bad vom
württembergischen Staat.
Zavelstein
Um das Jahr 1200 wurde die Zavelsteiner Stauferburg
erbaut. Der erste sicher belegte Herr der Burg ist
Richelin, Ritter von Zavelstein im Jahr 1280. 1367 fand
Graf Eberhardt II. von Württemberg Zuflucht in der Burg
und gewährte – der Sage nach – Zavelstein als Dank die
Stadtrechte. Tatsächlich wurde Zavelstein urkundlich als
Stadt bereits 1342 erwähnt. Seit 1461 war Zavelstein
eine württembergische Amtsstadt. Anfang des 17.
Jahrhunderts baute der Burgherr Benjamin Bouwinghausen
von Wallmerode die Burg zu einem
Spätrenaissanceschlösschen um. Im Herbst 1634 plünderten
Einwohner aus Wildberg das Schloss Zavelstein aus. 1692
fielen französische Truppen in die Stadt ein und
zerstörten sie. Bis heute ist die Burgruine mit ihrem 28
Meter hohen Turm ein Mahnmal hierfür. Vor 1806 hatte
Zavelstein Sitz und Stimme beim Württembergischen
Landtag. Das Amt Zavelstein kam bei der Umsetzung der
neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg
endgültig zum Oberamt Calw. Bei der Kreisreform während
der NS-Zeit in Württemberg gelangte Zavelstein 1938 zum
Landkreis Calw. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die
Stadt Zavelstein mit dem Landkreis Calw in die
Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu
gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. 1952 ging das
provisorische Nachkriegsland im Regierungsbezirk
Südwürttemberg-Hohenzollern auf und gehört seither zum
neuen Bundesland Baden-Württemberg. Mit der Kreisreform
zum 1. Januar 1973 erreichte der Landkreis Calw seine
heutige Ausdehnung. Der Landkreis wurde gleichzeitig
Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die dem
damals neu umschriebenen Regierungsbezirk Karlsruhe
zugeordnet wurde. Somit wird die ehedem württembergische
Stadt Zavelstein nun auch von der vormals badischen
Hauptstadt Karlsruhe aus verwaltet. Bis zur
Gemeindereform 1975 war Zavelstein die kleinste Stadt
Baden-Württembergs, zeitweise ganz Deutschlands.
Rötenbach - Emberg - Schmieh
Im 10., 11. und 12. Jahrhundert wurden die
Waldhufendörfer Emberg, Rötenbach und Schmieh während
einer systematischen Besiedlungsaktion der Calwer Grafen
angelegt. Im 15. Jahrhundert wurden sie der Verwaltung
Zavelsteins unterstellt und fließen in dessen Geschichte
ein.
Hermann Hesse
Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw im nördlichen Schwarzwald geboren und verbrachte seine Kindheitsjahre in Basel und Calw. Sein Vater, ein evangelischer Missionar aus Estland, war Leiter des Calwer Verlagsvereins. Seine Mutter, die in Indien geboren wurde, entstammte ebenfalls einer evangelischen Missionarsfamilie. Hesses Leben in Calw war geprägt durch pietistische Strenge und Rechtschaffenheit einerseits und die Weltoffenheit und Weltgewandtheit der belesenen Eltern andererseits.
Nachdem Hesse die Schule absolviert hatte, nahm er in Calw ein Mechaniker-Praktikum auf, brach dieses aber ab und erlernte schließlich den Beruf des Buchhändlers in Tübingen. Sein literarischer Durchbruch kam 1904 mit Peter Camenzind und machte Hesse erstmals einem größeren Publikum bekannt.
Er zog daraufhin an den Bodensee und ließ sich dort als freier Schriftsteller nieder. 1911 unternahm Hesse eine Bildungsreise nach Indien, verbrachte aber genau genommen weit mehr Zeit in Indonesien. Von Indien und den dortigen Verhältnissen zeigte Hesse sich enttäuscht. Im Anschluss ging er in die Schweiz. Seit 1924 hatte Hesse wieder die Schweizer Staatsbürgerschaft, nachdem er diese schon als Kind erworben, aber zugunsten der württembergischen aufgegeben hatte.
Hesse war jeglichen Nationalismen gegenüber abgeneigt und stimmte nicht in die allseits umgreifende Euphorie für den Krieg ein. Stattdessen veröffentlichte er zwischen 1914 und 1918 kriegskritische Aufsätze. Er sprach sich schon früh entschieden gegen den Nationalsozialismus aus. Seine Werke waren unter den Nazis zwar nicht verboten, aber dennoch verschmäht.
Zu dieser Zeit wohnte Hesse in der Schweiz und half anderen Autoren und Intellektuellen wie Thomas Mann auf dem Weg ins Exil. Außerdem hielt er Kontakt zu Exilanten wie Bertolt Brecht.
Wichtige Werke von Hermann Hesse
Die Erzählung Demian (1919) beschreibt die Suche nach einem eigenen Weg, nach einer Bestimmung und danach, wie man diese auch gegen Widerstände verfolgt. Geschildert werden die Kindes- und Jugendjahre des Protagonisten Emil Sinclair aus dessen Sicht. Sinclair durchläuft einen Reifeprozess, gewinnt an Selbstvertrauen, wird selbstreflektierter und schließlich erwachsen.
Im Roman Steppenwolf (1927) geht es um die Erlebnisse der Hauptfigur Harry Haller. Haller, der ein Leben zwischen bürgerlicher Angepasstheit und einsamem, sozial nicht angepasstem Umhertreibenden führt, ist innerlich zerrissen. Dieser Konflikt, diese Zerrissenheit blockiert ihn geradezu in seiner künstlerischen Schaffenskraft. Stets wurde betont, dass der Roman autobiografische Züge trägt.
Das Glasperlenspiel (1943) ist Hesses letzter, mit 600 Seiten zugleich umfangreichster und wohl komplexester Roman. Er liefert eine Lebensbeschreibung von Josef Knecht, einem Meister (Magister) in einer Art Mönchsorden. Die Handlung liegt zeitlich weit in der Zukunft, um das Jahr 2200 herum. Die Mönche leisten Dienst an Kultur und Hochkultur, forschen und sind ganz dem Verwalten von Wissen verschrieben. Der Leser erlebt die Entwicklung Josef Knechts von der Ausbildung über die Berufung ins Amt des Magisters bis hin zu Zweifeln an seiner Tätigkeit.
Hesses Werk ist geprägt durch immer wiederkehrende Fragen der Identität, des Glaubens und der Religion. Im Vordergrund stehen die Überwindung persönlicher Krisen und der Versuch, sich selbst zu deuten. Schreiben war für Hesse stets auch Persönlichkeitsanalyse. Zudem äußerte er Zweifel an Technik und Fortschrittsglauben.
1946 wird Hesse der Nobelpreis für Literatur verliehen. Er stirbt am 9. August 1962 in Montagnola (Kanton Tessin / Schweiz) an einem Schlaganfall, nachdem er sich von einer Grippe nur schwer erholt hatte.
Burkard Keller von Yburg
Auf dem alten Schlosse Hohenbaden wohnte gegen Ende des
fünfzehnten Jahrhunderts eine verwitwete Markgräfin von
Baden mit zwei Hoffräulein, einem Junker aus dem
Geschlecht der Freien von Keller auf Yburg und der
nöthigen Bedienung und Bewachung. Der Junker war ein
lebensfroher junger Mann, zwar von etwas leichten
Sitten, dem es aber bei seiner jugendlichen Schönheit
und dem köstlichen Klang seiner allzeit sangfertigen
Kehle nicht schwer fiel, sich die Gunst der Frauen zu
erwerben. Eine hatte zuletzt sein Herz mit starken
Banden umstrickt: Klärchen war's, des Waldmeisters
rosiges Töchterlein. Dem Waidwerk nachgehend hatte er
sie kennen gelernt und mit jubelndem Schalle hatten die
Waldvögelein ihm seine junge Liebe ins Herz gesungen.
Unter dem Vorwande der Jagd ging er fast täglich in den
Frühstunden oder am Abend spät, um die Auserwählte zu
schauen und sie im Waldesschatten zu herzen.
Einst, da er bei hellem Vollmondschein wie gewöhnlich
durch den Forst hinwandelte und des Burgwächters Horn
just Mitternacht verkündete, kam ihm plötzlich vor, als
sitze wenige Schritte von ihm am Wege in einen Schleier
gehüllt eine weibliche Gestalt. Abenteuerlustig wie
Burkard war, schritt er furchtlos auf die Erscheinung
zu. Allein je näher er kam, desto unbestimmter wurden
ihre Umrisse, die in Nebel zerflossen, sobald er seine
Hand nach ihr ausstreckte. Jetzt wandelte ihn doch ein
leichtes Grauen an; aber da er ein muthig Herz besass
und die Sache ihn reizte, so hielt er das Ganze für eine
Täuschung seiner Sinne. Um sich Gewissheit zu
verschaffen, ging er am folgenden Abend zu derselben
Stunde wieder an dem Platze vorüber. Die Gestalt sass
wie gestern auf demselben Fleck, nur hatte sie heute den
Schleier zurückgeschlagen und leise spielte die
Abendluft in ihrem langen, auf den Busen
niederrieselnden Goldhaar. Burkard stutzte einen
Augenblick, trat aber dann, sich selbst feige scheltend,
auf sie zu und siehe da, sie löste sich zum andern Mal
in einen lichten Nebelstreif auf. Ihm zu Häupten
schwebte am abendlichen Himmel ein leises Wölkchen, noch
im Verduften die entzückende Gestalt festhaltend.
Er theilte das Abenteuer dem Schlosskastellan, einem
erfahrungsklugen Manne, mit und erfuhr von diesem, es
sei in alter Zeit an der Stelle, wo er die Erscheinung
gehabt, ein heidnischer Tempel gestanden; der mit
dichten Tannen besetzte Platz sei verrufen und niemand
aus der Umgegend wage es des Nachts dort vorüberzugehen.
Aber unser Junker gehörte nicht zu den Abergläubigen. Er
liess des andern Tages an der Stelle, wo ihm das
geheimnissvolle Wesen erschienen war, nachgraben und
fand einen kleinen, römischen Altar, der nach der
lateinischen Inschrift der Göttin der Liebe geweiht war.
Eine Erdschicht tiefer fand man schliesslich das
Marmorbild der Göttin selber. Die Arme und der Theil des
Körpers abwärts der Brust fehlten und waren sichtlich
abgeschlagen, dagegen konnte man keinen schönern,
huldvolleren Mädchenkopf sehen. Der erste Frühlingstraum
des Lebens schien um Stirn und Auge zu spielen, ein
Schleier umhüllte nur einen Theil der reichen Locken,
die den jugendlichen Busen leicht bedeckten. Burkard
liess den Altar und das Marmorbild auf dem Platze
aufstellen, wo sie ausgegraben worden, und so entstand
der Name »Keller's Bild.«
In der Brust des jungen Mannes hatte aber die schöne
Marmorgöttin eine wahnsinnige Liebe entzündet. Nicht
lange vermochte er sein Herz zu meistern und zum dritten
Male wanderte er um Mitternacht, als der klare Mond am
Himmel stand, zum Bilde. Wieder sass die jungfräuliche
Gestalt am Fusse des Altars, wie er sie schon zweimal
gesehen. Aber diesmal zerfloss sie nicht wie sonst in
Nebel; immer körperlicher wurde sie, immer schärfer die
Conturen ihres lieblichen Körpers, je näher der Junker
ihr kam.
Ein beherzter Knecht aus der Burg war ihm gefolgt und
blieb in einiger Entfernung stehen. Er sah, wie Burkard
mit dem strahlenden Weibe zu reden begann, immer inniger
wurde das Gespräch, immer leidenschaftlicher des Junkers
Gebaren. Und als er sie gar in seine Arme schloss, da
fasste den Knecht Entsetzen, und zum Tode erschrocken
floh er zur Burg zurück. Des Nachts war der Junker
ausgeblieben und als man am andern Morgen im Walde nach
ihm forschte, fand man ihn in einiger Entfernung vom
Altar todt ausgestreckt. Um seine bleichen Lippen
spielte ein Lächeln seligen Glücks. Das Marmorbild war
und blieb verschwunden.
Keller's Oheim aus dem Geschlecht der Hundliss von
Waldrams liess den Altar zerschlagen und an dessen
Stelle einen Bildstock mit dem Zeichen der Erlösung
errichten; auf dem Platze aber, wo man den Leichnam
gefunden ein steinernes Kreuz.
Quelle: Die Sagen der Trinkhalle zu Baden-Baden
Der Mummelsee
Zwischen den Thälern von Sasbachwalden und Oberkappel
erhebt sich ein langgedehnter Bergrücken, Hornisgründe
genannt. An seinem Abhange liegt in einem tiefen
Bergkessel ein bisher für unergründlich gehaltener
Bergsee, der Mummelsee. Tiefe, lautlose Stille herrscht
beständig in dieser einsamen Gegend. Düsteres Nadelholz
steigt aus dem ringsum aufgehäuften Felsgestein empor
und das Blau des Himmels spiegelt sich auf der dunkeln
Fläche des Wassers. Lacus mirabilis nannten ihn die
Alten, und auch in Grimmelshausen's »Simplicissimus«
steht gar Wundersames von ihm zu lesen. Seinen Namen hat
er von den Mümmelchen oder Seefräulein, die der Sage
nach darin wohnen sollen.
Diese hausen auf dem tiefen Grunde des Sees in
krystallenen Palästen mit prachtvollen Gärten, in denen
die blutrothe Koralle blüht neben der duftenden Seerose
– wunderliebliche Gestalten, voll rosiger Schönheit,
fern von Menschenweh und Menschenelend. Allnächtlich
steigen sie empor zur Oberfläche des Wassers, schlingen
beim Klange geheimnissvoller Musik den Reihen oder eilen
mit der Spindel den nächsten Wohnungen zu, den Abend bei
Gespräch und Arbeit im Kreise der einfachen Bergbewohner
zu verbringen. Aber die nahende Morgendämmerung und das
Krähen des Hahnes, das die Nähe des kommenden Tages
verkündet, ruft sie zurück in ihr unterirdisches Reich.
Da geschieht es denn zuweilen, dass die reizenden
Wassermädchen zu lange auf der Oberwelt verweilen, dass
der Tag anbricht, während die fleissigen Arbeiterinnen
sich noch auf dem Heimwege befinden, dass beim
Aufflammen der ersten morgendlichen Glut im Osten die
nächtlichen Sterne entfliehen, während die lieblichen
Undinen noch immer den Reigen schlingen und nicht gewahr
werden, wie der alte, grämliche Wassergott, der
Herrscher des Sees, aus der dunkeln Tiefe zum
Dämmerlicht emportaucht und zürnend die Säumigen zur
Rückkehr mahnt.
Quelle: Die Sagen der Trinkhalle zu Baden-Baden
Die Nixe des Wildsees
In südöstlicher Richtung vom Mummelsee liegt der
Wildsee. Auch seine Bewohnerinnen tauchen zur Oberwelt
empor und die Sage weiss besonders von einer zu
berichten, die uns das dritte Wandgemälde der Trinkhalle
in äusserst lebensvoller Darstellung vor Augen führt.
Am Ufer des Sees, hingelehnt auf schwellendem Moossitz
unter einer mächtigen Tanne, auf deren Aesten ein
buntschillernder Auerhahn balzend sich wiegt, erblickt
man die reizende Nixengestalt. Das blonde Haar rieselt
vom Scheitel über Hals und Nacken herab, überwallt von
einem Schleier, der auf dem Haupte von einer kostbaren
Krone gehalten wird. Aus dem dunkeln Gewässer schaut ein
lüsterner Wassernix zu dem holden Frauenbilde empor.
Eben scheint sie eins ihrer zaubervollen Sirenenlieder
geendigt zu haben; denn während ihre Rechte ein
schneeiges Reh kosend schmeichelt, gleitet die Linke wie
unbewusst durch die Saiten der Harfe, die in ihrem Arme
ruht.
Bethörend sind des Liedes Klänge zu den Ohren eines
Hirten gedrungen und halten, wie jetzt der Anblick ihrer
strahlenden Schönheit, seine Sinne umfangen. Da er eben
hinabeilen will, sucht ihn ein greiser Mann
zurückzuhalten; vergeblich stellt er ihm vor, wie schon
so mancher es mit dem Leben gebüsst, der sich von Sang
und Schönheit dieser Zauberin locken liess. Umsonst: er
muss hinab zu ihr, er muss ihr folgen, selbst in die
Tiefen der Gewässer, sei's zum Tode, sei's zu Glück und
Lust.
Quelle: Die Sagen der Trinkhalle zu Baden-Baden
Der Grafensprung
Wolf von Eberstein lag in Fehde mit Graf Eberhard von
Würtemberg. Dieser rückte mit grosser Heeresmacht gegen
die Burg Alteberstein und zerstörte sie. Der Anschlag
des Ueberwundenen, den Würtemberger im Wildbade zu
überfallen und gefangen zu nehmen, trug ihm vom Kaiser
die Reichsacht ein. Er musste auf das Schloss
Neueberstein flüchten, wo ihn sein Vetter Wilhelm
freundlich aufnahm.
Allein sein Aufenthalt wurde ausgekundschaftet und er
musste von neuem sein Heil in der Flucht suchen. In der
Morgendämmerung bestieg er wohlbewaffnet sein Ross, um
weiter zu ziehen. Allein in der Nacht hatten die Feinde
alle Zugänge besetzt bis herab zur Felsenwand an der
Murg. Nirgends sah er einen Ausweg. Aber er war
entschlossen, lieber sich selbst den Tod zu geben, als
lebendig in die Hände seiner Verfolger zu fallen.
Im Augenblick der höchsten Noth, eben als die Feinde mit
wildem Kampfgeschrei herbeieilten, wagte er, im
Vertrauen auf sein treues Ross, das Unerhörte – ein
Sprung, und hinab raste Mann und Thier in den
schäumenden Abgrund, wo ihn die hochgehenden Fluten der
Murg aufnahmen. Das Glück begünstigte seinen unverzagten
Muth und vor den Augen der erstaunten Verfolger
erreichte er glücklich das andere Ufer. Von hier nahm er
seinen Weg zum Pfalzgrafen Ruprecht, der ihm eine
Freistätte gewährte und ihm später wieder zu seinen
Besitzungen verhalf. Die Felswand heisst bis heute
Grafensprung.
Quelle: Die Sagen der Trinkhalle zu Baden-Baden